Expertenkreis – Das Koma kommt

Als Experte wird gemeinhin eine Person bezeichnet die hinterher begründen kann, warum sie in ihrer Prognose falsch lag. So ist es anscheinend auch bei einigen „Experten“ vom „Expertenkreis Amok“ der Fall.

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Die Grafik täuscht: FarCry 2 ist Schund, es führt zu Kopfschmerzen und Verfolgungswahn (Virtuelle Arbeit)

Liest man dieses Machwerk, so fällt einem schon im Titel auf, dass auch Opfereltern zu den Beratern gehören. Es kann also auf eine vorbehaltslose, sachlich, nicht emotional geführte Diskussion gehofft werden.

Jugendschutz.net, unsere Freunde kontraproduktiver Jugendschutz-Abmahnnovellen sind auch mit im Boot.

Lese – Check… Lese – Check… Lese – Check… und plötzlich das hier:

Amoktäter verfügten zum Teil über enorme Treffsicherheit durch Einübung mit scharfen Waffen oder bestimmten Computerspielen.

Oder Painball – das habt ihr vergessen – oder bestimmten Mafia-Filmen oder bestimmten Radiergummi-Wurf-Techniken oder beim Killerspiel „Schiffe versenken“ oder der Übersteigerung von Beatrythmen oder Killerliteratur (Romane).

„MOBBING“: Laut Ermittlungen gab es unter den Jugendlichen zwar Hänseleien, diese gingen aber nicht über ein jugendtypisches Maß hinaus. Inwiefern dies auf das Empfinden des Täters einwirkte, kann nicht mehr geklärt werden.

Wenn der Expertenkreis nur wüsste was heutzutage ein jugendtypisches Maß ist.

INTERESSE AN GEWALT: Er verbrachte verhältnismäßig viel Zeit am Computer und spielte u. a. Ego-Shooter-Spiele, darunter Far Cry 2.

Jetzt wird mir so einiges klar. Dieses Spiel muss es gewesen sein, was ihn dazu trieb. Ich habe es selber gespielt und es das letzte überhypte Drecksspiel was jemals das Licht der Welt erblickt hat. Man stelle sich GTA in Afrika vor, mit nur 12 Missionen und jeder Passant schießt auf den Protagonisten. Ein absolut trostloses demotivierendes Spiel. Kein Wunder, das dieses Spiel ihn gewalttätig machte.

Nein mal im ernst, es ist davon auszugehen, dass gewalthaltige Computerspiele bei einem jugendlichen Amoktäter gefunden werden, schon aus dem Grund das mittlerweile über 52% aller männlichen Jugendlichen mehrmals in der Woche Spielen.

GEWALTVORFALL AM CAROLINUM GYMNASIUM IN ANSBACH:

Als Gründe für seinen Hass soll der Täter in seinen Aufzeichnungen genannt haben, dass er sich ungerecht behandelt und ausgegrenzt fühle, Angst vor Perspektivlosigkeit, schweren Erkrankungen und einem Nichtbestehen des Abiturs habe und gerne eine Freundin gehabt hätte. Nach bisherigen polizeilichen Erkenntnissen gab es für diese subjektiven Ängste keinen konkreten Anlass.

Ist es nicht der Leistungsdruck den der Amokläufer von den Medien und Familie eingetrichtert bekam? Ist es nicht der Gruppendruck der seine Peiniger dazu verleitet ihn zu mobben? Es wird in keinster Weise im Bericht von der Opferrolle der Täterrolle gesprochen. Amokläufer und Mobber sind ein Produkt unserer leistungsbezogenen Ellenbogengesellschaft. Darum sollten wir dort ansetzen damit sich auf lange Sicht etwas ändert und nicht offensive Maßnahmen für den Ernstfall hochfahren. Aber diesen Gedanken haben wir ja bereits aufgegeben…heilen wir die Symtome.

Amoktäter sind meist keine Mobbingopfer, sondern
weisen eine erhöhte Kränkbarkeit auf, nehmen die Umwelt dadurch verzerrt wahr und ziehen sich häufig zurück in eine eigene, parallele Welt.

Jetzt wird der Kern der Diskussion blank aufgebahrt. Die „Anfix“-Theorie. Hierbei geht man davon aus, dass alles was auf eine Person wirkt diese auszeichnet und beeinflusst, das würde ich unterschreiben, aber die „Anfix“-Theorie geht da noch weiter. Denn egal was für eine Wertevorstellung jemand an den Tag legt, er wird durch das Anfixen schleppend in eine bestimmte Wertevorstellung gedrängt.

Nehmen wir einmal an jemand wäre Computerspieler und er würde sich ständig in virtuelle Welten verirren in denen Gewalt praktiziert wird. So wird er der „Anfix“-Theorie nach die moralischen Werte dieser Welt verinnerlichen.

Wenn jemand  sich also homosexuelle Videos anschaut wird er schleppend homosexuell. Oder wenn jemand intensiv mit Kampfsport auseinandersetzt ist er geneigt dazu Gewalt auszuüben. Wir kennen das von D&D-Spielern, welche alles dämonenanbetende Satanisten sind.

Irgendwie errinnert mich die Debatte an die Diskussionen die bei dem Terroranschlag in Amerkia losgebrochen wurde. Kurz darauf gab es eine Novelle von Gesetzen, die strengere Sicherheitsvorkehrungen eingeführt hat. In diesem Fall gilt wie bei den Terroranschlägen: Schmeist das Gehirn nicht weg.2008-10-12-warning-in-case-of-terrorist-attack

Es sei gesagt, dass ich viele der vorgeschlagenen Initiativen durchaus begrüße, durch die Seitenhiebe in Richtung kreativer Entfaltung, Individualismus und Jugendkultur wird der Bericht aber mehr als lächerlich. Frühwarnsysteme funktionieren bei Tsunamis, bei Amokläufern muss der Hype um die Tat eingegrenzt werden und ordentliche, soziale, schulische Verhältnisse geschaffen werden.

So abschließend meine Initiativen:

  • Kleinere Klassen
  • Erreichbarkeit eines Schulpsychologen
  • Stärkere Sanktionierung von Mobbern
  • Verantwortlichkeitsbewusstsein von Lehrkräften stärken
  • Lehrkräfte müssen auch erzieherische Aufgaben wahrnehmen
  • Angebot von Ganztagsbetreuung
  • Werte- und Normenunterricht auch zusätzlich zum Fach Religion
  • Gruppenarbeit innerhalb der Klasse sollte fokussiert werden
  • Pausenaufsichten verstärken
  • Schuluniformen
  • Medienberichterstattung über Amokläufer minimieren (ähnlich wie bei Suiziden).
  • Abschließbare Klassentüren per Drehgriff

Bild ist von brava_67 von flickr.com und unter der CC-BY 2.0 US freigegeben.

2 thoughts on “Expertenkreis – Das Koma kommt

  1. joschuacohen Oktober 18, 2009 / 11:20 pm

    „Amoktäter verfügten zum Teil über enorme Treffsicherheit
    durch Einübung mit scharfen Waffen oder bestimmten Computerspielen.“

    HAHA!
    Realitätscheck bitte!

    Da „menschenähnliche Ziele“ in Dtl. ja verboten sind, nehmen wir also mal eine Packung voll Papiertaschentücher in die Hand und stellen uns ca. 3-5 Schritte entfernt von einer geschlossenen Tür, in deren Mitte wir eine Jacke aufgehangen haben, und versuchen nun diese, durch werfen zu treffen.

    Den meisten dürfte dies gleich beim 1.x gelingen.

    Dies ist in etwa der Schwierigkeitsgrad, den das Treffen von Personen mit Schusswaffen auf die gleiche Distanz entspricht.
    Erst ab mehr als 7-10 Metern muss man wirklich zielen und kann nicht mehr instinktiv treffen.
    Soviel zu dem Argument…

  2. Timm November 6, 2009 / 7:31 pm

    Hinzu kommt, dass es ein ziemlicher Unterschied ist, ob man mit einer virtuellen Waffe oder einem Paintballgewehr schießt, oder mit einer echten Waffe. Eine weitere Möglichkeit der Preväntation wäre, Waffen nicht mehr in Wohnhäusern lagern zu dürfen. Für einen Jäger dürfte es wohl kein Problem sein, sein Gewehr morgens an der örtlichen Wache abzuholen und abends wieder abzugeben.

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