CoD6 und die falsche Moral

Anlass ist der neue Teil von COD6, welcher zumindest in der amerikanischen Version den Spieler in die Rolle des Terroristen versetzt, der einen Anschlag in einem Flughaven verübt. Dabei kann der Spieler ohne Sanktionen auf Zivilisten schießen und wird in der Anfangssequenz darin sogar motiviert. Einigen reicht schon das angeschossen Personen, die am Boden liegen durch ein 2. mal erschossen werden müssen. Die deutsche Version wurde abgeschwächt, sie ist überspringbar, die Mission wird als gescheitert bezeichnet, sobald der Spieler eine Geisel tötel, er muss also mitlaufen und kann nur auf Wachpersonal schießen.

Tja, ich mach es mir da nicht so leicht. Auf der einen Seite steht für mich fest, dass ab 18 keine virtuellen Spiele verboten werden sollten. Allerdings gibt es hier durchaus moralische Zerwürfnisse auf welche die deutsche Rechtsprechung schon Antworten hat.

Stellt euch vor es gäbe ein Spiel welches „Schoolshooterdesigner“ heißt. Man bastelst im Editor seine Schule zusammen, wählt die Waffen und kann Bilder von Mitschülern hochladen die direkt auf das Model übertragen werden + Kommentar zur Person. Diese Daten werden auf einem Server gespeichert wo sie von jedem abrufbar sind. Danach kann man allein oder im Team durch das Gebäude laufen und fraggen. Ich erinner mich da noch an „Teacherbusters“ für den C64 dieses Spiel behandelt fast genau diese Darstellung.

Wir erinnern uns zuletzt wurde World of Warcraft in China verboten, weil dort die Totenehre verletzt wurde. In China ist es nicht erlaubt Darstellungen von Menschlichen Knochen zu zeigen. Die Diskussion um die WOW-Zensur in China erinnert mich an die Mohammed-Karikatur. Auf dieser Karikatur wurde Mohammeds Gesicht abgebildet mit einer Bombe als Turban. Dies sollte die Islamisten als tickende Terrorbombe darstellen. Islamisten reagierten auch berechtigter Weise promt darauf. Westliche Zeitungen zeigten natürlich Unverständnis. Dazu muss man wissen, dass der Islamismus bildliche Darstellung des Propheten Mohammed nicht zulässt. Die pauschale Herabsetzung von Islamisten als Terroristen tat dann ihr übriges.
Es ist manchmal wirklich schwer sich aus seiner Kultur herauszubewegen um zu verstehen, warum in anderen Kulturen bestimmte Handlungen und Darstellungen nicht auf Gegenliebe stoßen. Genauso ist es mit Amerika deren Prüderie.

Mir geht es bei COD6 nicht darum das Zivilisten anschießbar sind, sondern um die Moral die vermittelt wird. Der Spieler wird in die Rolle des Terroristen bedrängt und bestärkt mit in die Menge zu feuern. Bei GTA ist die Welt offen. Man kann zwar auch auf Zivilisten schießen, das Spiel unterstützt dies aber nicht, stattdessen wird man von der Polizei verfolgt. Ich bin großer Fan der Hitman-Rheie. Der Protagonist verkörpert dort einen Attentäter, der „nur“ kriminelle Größen tötet. Der Spieler wird entlohnt, wenn er unbemerkt, mit wenigen Verlusten vorgeht. Sollte der Spieler hier das Feuer in einer Menge eröffnet wird er gejagt. Mit geht es auch nicht um den Gewaltgrad (wegen mir können ruhig Leute durch Schredder geschoben werden oder sonst was), einzig um die vermittelte Moral.

Ich für mich habe entschieden dass alles ab 18 zugänglich seien sollte, außer wenn Rechte Dritter verletzt werden. Diese Ansicht schließt die freie Zugänglichkeit von COD6 ab 18 ein. Ich finde es ethisch verwerflich dem Spieler derartige Missionen vorzulegen – mal wieder ein PR-Gag?! Vor allem bei einem Mainstreamshooter wie COD6. Darum werde ich das Spiel auch nicht kaufen. Dennoch gehe ich nicht soweit hier jemandem ab 18 das Recht dieses Spiel zu kaufen und zu spielen abzusprechen.

Vielleicht sollten die Spielekiller sich eine solche Ansicht mal vor Augen halten.

Lesenswerte Artikel zum Thema:

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Golem: IMHO: Scheinheiliger Jugendschutz bei Call of Duty 6

One thought on “CoD6 und die falsche Moral

  1. bauchvoll November 12, 2009 / 10:07 am

    Also ich habe mir das Spiel gekauft und finde es grossartig! Bis auf einige Szenen, zb.: die hier angesprochene Flughafenszene! Das muss nicht sein wie ich finde. Da sollen die Hersteller sich nicht wundern wenn „Killerspiele mal verboten werden. Es hätte ausgereicht das ganze als Film zu zeigen!

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