Warum das iPhone nicht siegen darf

Eine kleine Anekdote aus der Geschichte der PDAs…

1996 Palm schmeißt seinen Pilot auf den Markt und schlägt mit reißendem Absatz auf den PDA-Markt auf und macht dem Konkurrenten Apple – Prägend für den Begriff PDA – mächtig Konkurrenz. Der von Apple gestartete Newton wurde vom Markt gedrängt. Lange Zeit war es ruhig und Palm dominierte den Markt, bis Microsoft um 2000 herum dem Marktführer Palm die Stirn bot und zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz wurde. Palm, welche PalmOS nur auf der eigenen Hardware und auf der Hardware weniger OEM-Partner bereitstellten wurden von Hardwaremarkt der Lizenznehmer der Microsoft-Betriebssysteme erschlagen.  Microsoft lieferte lediglich das Betriebssystem und die Voraussetzungen welche an die Hardware und die OS-Implementation gestellt wurden. Derweil feilte Microsoft an ihrem Smartphone-Betriebssystem und sprang mit Windows Mobile Phone Edition auf den Markt der Smartphones mit Internetzugang auf. Palm verlor und steuerte mit dem Treo 700w bei, indem sie auch Windows Mobile als Betriebssystem für ihr Gerät anboten.

Doch es kam eine neue Konkurrenz auf den Markt: Das iPhone. Hatte vorher die Öffnung von Windows Embedded Systemen Palm vom Markt gedrängt, rollte Apple den Markt jetzt von hinten auf indem sie einen schlichten PDA auf, dessen Betriebssystem auf nur einer Hardwareplattform angeboten wurde. Für Apple war der Sprung auf den Smartphonemarkt nur die logische Konsequenz aus dem Erfolg, welche sie mit ihrem portablen MP3-Player verzeichneten.

Was hatte Apple richtig gemacht?

  • Sie integrierten ihre Multitouchbedienung, welche vorher bereits in MacBooks als Touchpad eingesetzt wurden in ihr Gerät.
  • Sie setzten auf Optik und verzichteten zu diesem Zweck beispielsweise auf einen austauschbaren Akku.
  • Das iPhone hat einen Lagesensor, welcher das Bild je nach Lage des Gerätes ins Hochkant- oder Querformat bringt.
  • Das Gerät ist leichter und flacher als der Großteil der Konkurrenzgeräte gewesen.
  • Es gibt keine Tastatur, nur über den Touchsensor und eine Funktionstaste.
  • Ein schneller Prozessor, welcher eine flüssige Bedienung unter einer Auflösung von 480 × 320 ermöglicht.
  • Konsequente Bedienung mit Finger, nicht per PDA-Stift.
  • Ein Sensor sorgt für die Regelung der Helligkeit des Displays.
  • Durch die Integration in iTunes – Apples Multimedia-Verwaltungsprogramm – bekam man zusätzlich zum Handy einen vollwertigen MP3-Player, im Sinne des iPods.
  • Ein Paketverwaltungsprogramm, genannt App Store als zentrale Anlaufstelle um Anwendungen für das Gerät herunterzuladen.

Die Strategie war ausgegoren und ist ein großer Erfolg auf dem Consumer-Markt. Fühlte sich der Benutzer früher einer VHS-Videorekorder-artigen Nischenlösung ausgesetzt, so hatte er jetzt mit dem iPhone ein solides Smartphone, das i.d.R. tat was es sollte.

Warum darf also Apple nicht siegen? Das Problem fängt mit dem App Store an. Die dort eingestellten Anwendungen kommen meist nicht von Apple selbst, sondern von Drittanbietern, welche 30% der durch die verkauften Anwendungen erzielten Gewinne an Apple abführt. Das wäre nicht das Problem. Das Problem ist, dass Anwendungen des iPhone nur über den App Store erhältlich sind und Apple Richtlinien festgelegt hat, welche die Dritthersteller einhalten müssen. Natürlich gibt es derartiges auch auf anderen Plattformen, dort ist ein Zertifizierungsprozess aber nicht zwingend um die Anwendung an die Anwender verteilten zu können. Extern erstellte Anwendungen, welche nicht zertifiziert sind können nur über sogenanntes jailbreaken auf das iPhone geladen werden. Hierbei wird eine modifizierte Firmware auf das iPhone geladen. Beim jailbreaken verstößt man wiederum gegen die Nutzungsbedingungen von Apple.

Was kann ein C64-Emulator auf dem iPhone? Richtig, Programme emulieren. Auch wenn das C64-Programme waren, reichte diese Tatsache aus gegen die Apple-Restriktionen zu verstoßen. Apple will damit verhindern, dass nicht freigegebene Software den Zugang zum iPhone erhält. Nach einigen hin und her konnte die iPhone-Applikation doch starten, weil die Entwickler sich darauf einigten das Programm mit einer festen Auswahl an Spielen herauszubringen. Apple hat jederzeit die Möglichkeit Anwendungen wieder zu entfernen und zu sperren. Dem Verbraucher wird also die Möglichkeit genommen frei zu entscheiden, welche Anwendung er nutzen will und welche nicht. Auch Erotikscherzprogramme widerlaufen Gefahr aus dem Portfolio gestrichen zu werden. Eine Anwendung mit welcher 3D-Brüste über den Bewegungssensor bewegt werden konnten nahm Apple kurz nach dem Erscheinen aus dem Angebot. Apple zwingt also den Benutzern ihre Weltvorstellung auf. Die Vorgehensweise erinnert stark an DRM, welches restriktiv festlegt, was verwendet wird und was nicht. Begründet werden diese Maßnahmen immer damit, dass Apple dafür Sorge trägt, dass die Anwendungen auch sicher, stabil, performant und hardwareschonend laufen. Andererseits gibt es bei Apples PC-Betriebssystem keinerlei Anwendungszwang. Im Umkehrschluss müsse das bedeuten, dass Anwendungen für dieses Betriebssystem diese Eigenschaften nicht aufweisen. Wäre das nicht schlimm genug gibt es treu-doofe Apple-Fans die egal was diese Firma herausbringt oder beschließt dahinter stehen – „Äppel wirds schon richten“.  Die glauben auch Apple hätte den Begriff App geprägt.

Ich bin nicht gegen ein vom Hersteller bereitgestelltes Packetverwaltungsprogramm an sich. Es sollte nur optional sein und immer noch ermöglichen unzertifizierte Anwendungen auszuführen. Oft gehörtes Argument ist: „Wenns dir nicht passt, kannst es ja jailbreaken“. Eine Freiheit die man erschleichen muss ist aber keine. Die aggressiven viralen Marketingkampagnen tun ihr übriges. Wenn ich sehen muss, dass der Hauptdarsteller von Diebe im Olymp eine Hydra durch die verspiegelte Rückseite eines iPhones nieder-ringen kann, oder der Sidekick von Blade in Blade 3 vor dem Kampf nochmal eben auf dem iPod Playlisten zusammenstellt, so komme ich mir verarscht vor. In diesem Sinne: „Shake it like a Polaroid Picture“.

Doch Bedrohungen ziehen Bedrohungen nach sich. So hat Google bereits mit ihrem vor kurzem angekündigten ChromeOS aufgezeigt, dass dieses Betriebssystem den Cloud Computing Ansatz verfolgen will. Mit dieser Technologie werden installierte Anwendungen und Dateien ins Internet gestreamt und sind dort von überall abrufbar. Auch hier würde sich die Möglichkeit bieten einzelne Anwendungen zu sperren. Die normalerweise selbstverständliche Wahl des Nutzers, welche Anwendungen er verwenden kann und will wäre kontrollierbar.

Mit Amazons Kindle kam ein E-Book-Reader auf dem Markt, wessen Technologie den Verlagshäusern aktuell mächtig Kopfzerbrechen bereitet. Der Kindle kommt gleichzeitig mit App-Store-artigen Funktionen daher. Ironischerweise löschte Amazon am 17.07.2009 den Roman 1984 von George Orwell aus ihrem Portfolio, weil Amazon die Rechte zur Verlegung des Werkes fehlten. Und das rückwirkend bei Kunden die für diesen Roman bezahlt hatten!

Ich würde mir wünschen Nokia könnte mit ihren N900 einem auf Linux Moblin basierenden Smartphone punkten oder von mir aus auch der Palm Pre. Auch hier gibt es wieder eine unterstützenswerte Petition.

Links

iPhone vs Nokia E70

Apples iPad: FSF & Deutscher Buchhandel reagieren

Bild

Das obige Bild „iObey“ ist unter der CC-BY-SA 3.0 German freigegeben und verletzt auf satirische Art und Weise die Gefühle der Telekom.

Es enthält das Bild „Jumping for joy on Moel Hiraddug“ von clspeace auf flickr.com welches wiederum unter der CC-BY US 2.0 steht.

3 thoughts on “Warum das iPhone nicht siegen darf

  1. N900 April 19, 2011 / 9:46 am

    Das N900 basiert auf Debian, nicht auf Moblin.
    Es ist das Beste, was auf dem Smartphone-/PocketPCMarkt zu finden ist.
    Alle anderen Smartphones sind Handys, die auch ein paar Funktionen bereitstellen. Das N900 ist ein HosentaschenPC mit Telefonfunktion.
    Maemo, das debianbasierte OS, welches auf dem Gerät vorinstalliert ist, wird mittlerweile von der Community gepflegt, wird also voraussichtlich nicht sterben.
    Auf diesem PocketPC kann man Debian, Mac OS X, Windoof, Android, etc. installieren.
    Hat ein X-Terminal!!! Tausende professionelle Open Source Anwendungen!
    Kann quasi alles und noch viel mehr, was ein LinuxPC kann, mit Tor surfen, viiiiiiiiiiiiiele Dateisysteme werden unterstützt, Crypt, OTR, FM-Transmitter integriert, echte Tastatur, bis zu 64GB Speicher + externe USBHardDisc, beste Panoramesoftware, Auflösung 800×480 Pixel, super Klang, kostenlose OVI-Maps weltweit, &&&&&& s.w. (Liste der Vorteile gegenüber dem Rest zu lang, um hier zu beschreiben).
    Das Gerät ist so gut, dass der kackRPMbasierte Nachfolger Meego, Echtzeit-Gesichtserkennung, Stimmidentifikation … darauf entwickelt wird.

  2. N900 April 19, 2011 / 11:13 am

    Empfehlung der Redaktion: N900 kaufen, solange Vorrat reicht.

    Beim Android steckt der Tux nur im Kernel (mit google-Änderungen) und den Rest würde ich nicht mit Kneiffzange anfassen.
    Android, iPhone, BlackBury ist was für Menschen, die blind durch die Welt gehen und sich auch im Knast noch wohl fühlen würden, wenn sie denn ihr Spielzeug dabei hätten. Tja, in Freiheit leben will halt auch gelernt sein.
    Nokia ist mit der Nachahmung (OVI-Shop a la Trallala-App der M$-iTunes-GoggelApps) mit anderer Leute Arbeit kräftig abzusahnen erfreulicherweise grandios gescheitert.

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