Next Generation Gaming

Oder besser „defective by design“. Wie wird also Zukunft des Mainstreamspielemarktes aussehen? Tendenziell geht es hin zu Communityplattformen wie Steam oder Windows Live. Der Vorteil: Der Spieler kann sich über die Plattform anmelden und direkt neue Spiele kaufen und herunterladen. Vertriebswege werden ausgeschaltet, das Spiel wird direkt beim Hersteller gekauft. Patches und Updates können direkt abgerufen werden. Die Plattform eröffnet aber auch die Möglichkeit dem Spieler zusätzlichen Content zum Spiel anzubieten oder Nutzerdaten zu sammeln um Statistiken über das Spielverhalten aufzuzeichnen. Populäre Beispiele dafür bieten aktuell Assassins Creed 2 und Starcraft 2. Beide Spiele lassen sich auf legalem Wege nur mit Online-Anbindung nutzen. D.h. um das Spiel überhaupt starten zu können ist ein bandbreitiger Internetanschluss nötig.

Creepy Assis

Assassins Creed 2 geht dabei sogar so weit Spielecontent aus dem Internet nachzuladen, so dass das eigentliche Spiel nicht komplett auf der Festplatte des Spielers vorhanden ist, was das Erstellen von Cracks erschwert. Ein Cracker müsste den gesamten nachzuladenen Spieleinhalt abgreifen, damit ein funktionierender Crack erstellt werden kann. Anscheinend hat der Kundengägelungswahn bei Ubisoft dazu geführt, dass sich einige ans Bein gepisst gefühlt haben und die Lizensierungsserver per DDOS angegriffen haben. Dabei wird ein Botnetz aus vielen Computern dazu benutzt immer wieder Anfragen an die Lizenzierungsserver zu schicken um so die Server so stark zu überlasten, dass eine Nutzung der Dienste nicht möglich ist oder es zu  gehäuften Abbrüchen kommt. Wie dem auch sei: Dies führte dazu, dass die Käufer von Assassins Creed Minuten brauchten um sich überhaupt anzumelden und mehrfach aus dem Spiel flogen und sich neu anmelden mussten. Tagelang nach dem Release war ein normales Spielen nicht möglich. Allerdings war auch kein komplett funktionierender Crack vorhanden, welcher Abhilfe geschafft hätte. Dieser Crack konnte erst am 21.04.2010 durch die Releasegruppe SkidRow  herausgebracht werden, während Assassins Creed 2 bereits am 19.11.2009 zu kaufen war. Trotz der vielen Beschwerden durch Spieler und Presse im Vorfeld und während des Lizenzsserver-Chaos lenkte Ubisoft nicht ein. Statt dessen brachten Ubi einen Pressebericht heraus und brüstete sich mit ihren Verkaufszahlen, welche sich ungefähr im 10 Millionen-Bereich (weltweit) einpendeln sollten. Alles schön und gut, ich sehe schon wie ein paar BWLer sich vor mir die Hände reiben aber eins muss Ubisoft über Bord geworfen haben: Es nennt sich im Fachjargon Reputation – ihren Ruf. War Ubisoft früher der nette Spieleentwickler von neben an mit starken Rollenspielqualitäten ist Ubisoft jetzt in Augen vieler Gamer zum Puppenspieler geworden, welcher die Fäden ziehen will. Dabei geht Ubisoft in Assassins Creed 2 sogar so weit das Spiel selbst zu beschneiden und vorher geplanten Spielinhalt als DLC (Downloadable Content) für Geld anzubieten. Da wird jedem Spieler sofort gewahr, dass er hier beschissen wird und zwei mal zahlen soll. Genauso verhält es sich mit den Spieleabbrüchen, welche hätten vermieden werden können, hätte der Hersteller konservative Kopierschutzmaßnahmen eingesetzt. Während der Phase mit den starken Abbrüchen gab es Cracks welche zwar noch nicht vollends funktionierten, aber zumindest ein abbruchsfreies Spielen ermöglichten. Cracks zeigten somit auf, wie das Spiel hätte sein können, wäre da nicht die Gängeleien aus politischen Gründen. Diese trieben viele Käufer dahin sich einen Crack zu besorgen, welcher ohne instabile Server auskam.

Ein wehendes Lüftchen

Was hat aber das Traditionsunternehmen Blizzard dazu getrieben die Onlinebindung in Starcraft 2 einzubauen? Von einem Blizzardmitabeiter angegebener Hauptgrund würden wohl die Raubkopien sein. Damit sagt Blizzard seinen Käufern: Die bösen Raubkopierer sind die Schuldigen, darum bekommt ihr keinen LAN-Modus und darum habt ihr Onlinezwang. Gäbe es nicht so viele Raubkopien währe das nicht nötig.

In einem unehrlicheren Statement verweist Blizzard auf ihre Onlineplattform und erklärt, dass ein LAN-Modus deren neues Konzept von „wie binde ich die Nutzer am besten an die Leine“ unterwandern würde und ihre Community- und Achievmentfunktionen ja im LAN-Modus nicht funktionieren würden. Sie würden den Benutzern die bestmögliche Communityfunktion aufzwingen wollen.

Alles Bullshit. Ich kann nur sagen, dass ich von Blizzard enttäuscht bin. Blizzard hatte bis jetzt immer mit den Spielern statt gegen die Spieler an einem Seil gezogen. Anscheint hatte die Fusion Activision und Blizzard und der riesige Erfolg von World of Warcraft dazu geführt dass in den oberen Etagen da jemand Geldgeil geworden ist. Mittlerweile geht man sogar so weit, dass man von der Community erstellte Karten einfach löscht, wenn sie bspw. Wörter enthalten welche Blizzard nicht gefallen. Das bringt eben Plattformbindung auch mit sich: Jemand Großes über dir entscheidet, was in deiner Welt adäquat ist und was nicht. Ein Blizzardmitarbeiter kommentierte die Kritiken darüber mit dem Satz den man bringt wenn jemand fragt warum sich der Hund an den Eiern lecken kann: „Weil wir es können“. Hallo? Gottkomplex?! Ganz toll, darum kaufe ich mir Starcraft 2 nicht, weil ich es kann. Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Starcraft 2 war ursprünglich wie Starcraft 1 als Spiel mit 3 Episoden jedes Volkes geplant. Statt dessen hatte man sich während der Entwicklung dafür entschieden eine böse „Rassentrennung“ vorzunehmen und das Spiel in 3 jeweils vollpreisige Episoden zu unterteilen. Also 3 mal kassieren – Profit!!! Dazu ist anzumerken, dass ein durchschnittlicher Spieler Starcraft 2 innerhalb von 2 – 3 Tagen auf Normal durchspielen kann. Man merkt dem Spiel seine Dreiteilung anhand der Spieldauer an wenngleich das Spiel während der Spieldauer durchaus fesselt. Da wartet man aber 12 Jahre lang und bekommt sowas vorgesetzt. Weiterverkaufen ist im übrigen auch nicht mehr, man besitzt das Spiel ja nicht mehr nur seinen auf die Person gebundenen Account. Erinnert sich noch einer an die Starcraft-1-Span-Versionen mit denen man ein gekauftes Spiel auf 8 Rechnern im LAN-Spielen konnte? Das war ordentliche Produktpolitik. Heute muss jeder „LAN“-Spieler per Breitband am Internet hängen und sein eigenes Spiel kaufen.

Unzählige Unmöglichkeiten warten darauf entdeckt zu werden

Eine Onlineanbindung ermöglicht nahezu alles was man sich an Kundenbindung vorstellen kann. Der Spieler besitzt sein Computerspiel nicht mehr, er hat lediglich ein Nutzungsrecht, welches eingeschränkt werden kann wie der Plattformbetreiber es will. Phänomene wie Updatezwang, Regionale Einschränkungen (Importspiele), willkürliche Sperrungen von Accounts, Ausschuss des Wiederverkauf, gehackte Accounts, technische Probleme mit Lizenzierungsservern, Ingame-Werbung, ausschließen oder kommerzialisieren von Modding, Handel mit Spielerstatistiken sind nur die Spitze des Eisbergs. Ich vertraue da auf Kreationisten unter den BWLern, welche geschwind neue Pläne schmieden noch mehr Geld aus dem Gamerherz zu pressen.

Virtualisierung der Hardware

Was ist der logische nächste Schritt, wenn man den Gamer an seine Software gebunden hat? Man bindet ihn auch an die Hardware. Zum Spieler wird nur noch das Bild hin-übertragen und seine Eingaben zurück-übertragen. So kann der Spieler ein extrem altes System haben, er kann trotzdem aktuelle Spiele in der besten Grafik spielen. Keine Hardwareupgrades mehr nötig. Sämtliche leistungsstarke Hardware steht beim Plattformanbieter in riesigen Serverräumen. Leistungsfähige Hardware privat zu kaufen geht gar nicht mehr oder ist vergleichsweise teurer und auch nutzloser, weil aktuelle Spiele nur mit der Plattformbindung angeboten werden.

Das wird es nie geben? Schaut euch die experimentelle Spieleplattform OnLive an. Die macht genau das.

Natürlich wird die Praxis zeigen ob das Modell erfolg hat und es wird eine bandbreitige Leitung benötigt. Vielleicht muss man auch Politiker bestechen um Netzneutralität über den Haufen werden und bestimmte Anfragen priorisieren. Es ist nur eine Frage der Technik und der Zeit bis dies möglich wird. Als die ganzen Videoportale aus dem Boden schossen war das „Power to the people“. Diese Idee wird den Videospielmarkt überkommerzialisieren.

Update

Golem: Ruse verwendet Steam statt Ubisoft-Launcher Na das hat ja nicht lange gedauert🙂

Bild

Das Bild „Please insert Coin“ wurde von mir selbst erstellt und enthält ein Bild von  Mat_the_W.

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