Unfertige Kurzgeschichte

Da es lange Zeit keine Updates gab, hier der Anfang einer kleinen Kurzgeschichte die ich 2009 angefangen, aber nicht beendet habe.

Durch die schmalen Sehschlitze der Rollos seines Appartment heraus sah Ed auf die Wohnblocks gegenüber. Ein Moment der Ruhe, ein Moment, des innigen Schweigens. Raschelnd ließ er das Rollo zurückschnappen und drückte einen Knopf auf dem Wandpanel. Ein Holoprojektor lieferte ein Bild der aktuellen Nachrichten. Das Übliche: Mord auf den Straßen, Überfälle, Verschärfung der ohnehin harten Gesetze, Ausbau der Gefängnisse. Mit einem abnehmenden Surren zerfaserte der Holoprojektor das Bild als Ed auf einen Schalter drückte. Hätte er doch auf seinen alten Freund gehört und wäre er mit ihn in die Minen gegangen, dann würde er jetzt oben auf der Gehaltsliste stehen und nicht in diesem schäbigen Appartment abhängen. Na ja, er muss sich halt bewegen, die Miete wird nur noch für 3 Monate reichen. Ed ging zur Wand, nahm sich einen Minzstick und steckte ihn in den Mund. Er ging im Zimmer in Gedanken auf und ab. Was könnte er zu Verbesserung seiner Situation nur unternehmen. Er drehte den Stick von einem Mundwinkel in den anderen.

Schon gestern hatte er vergebens versucht in einer dem der Transportunternehmen anzuheuern. Die Unternehmen führen mitlerweile globale Listen, auf welcher er nicht gerade als Musterkandidat geführt wird. Nein, es müsste doch einen Weg durch diese Hürde geben. Er musste ein Unternehmen wählen, welches kurzfristig Bedarf an neuen Leuten hatte, so dass keine Zeit war den Index nach seiner Tauglichkeit zu durchsuchen. Erneut schaltete er den Holoprojektor ein und filterte die Werbekanäle auf Stellenanzeigen. Wie erwartet wenig Auswahl. Die meisten Jobs überflog Ed, waren es doch nur Akortarbeiten für Leute die sich gerne 14 Stunden am Tag schleifen lassen. Eine bekannte Anzeige ließ ihn jedoch verharren. Die Grenzgänger brauchten neue Leute. Die Grenzgänger, das sind Patrolien welche die 5 bis 6 Ebene der Stadt bewachen. Ed notierte sich den Sektor und den Block bei dem er vorsprechen musste. Danach schaltete er den Holoprojektor aus, legte sich in seine Schalfwabe und starrte an die Decke. Als Grenzgänger galt es jegliches Vordringen von den unteren in die oberen Ebenen zu verhindern, zur Not mit Waffengewalt. Die armen Schweine aus den Untervierteln. Sie hatten keine Wahl, entweder sie klauten, arbeiteten illegal oder schufteten sich in den Kraftwerken zu tode. Auch die „großzügigen“ Spenden der oberen Viertel, konnte dem Hunger der unteren Ebenen nicht lindern. Ed spuckte den ausgelutschten Minzstick in den Verwerter. Er hatte eh keine Wahl mehr, er musste auf diese Karte setzen…

…Unscheinbar lag sein Weg vor ihm. Gesäumt von 2 Gebaudeboliden war der Eingang zur Anmeldestelle zwischen den Müllbergen fast nicht zu sehen. Aus dem Eingang kam ihn ein buckliger Mann entgegen, er hatte die Schultern gesenkt und wischte sich mit seinem schmutzigen Handschuh über das verweinte Gesicht. Wenn man keinen Job auf dieser Ebene erlangt, wird man zur Arbeit in den Kraftwerken geschickt. Ed schaute dem Alten noch hinterher als er die Tür des Eingangs öffnete. Mit einem Zischen schnappte die Tür hinter ihm zu. Der Raum wurde durch das sterile Licht der Neonlampen erhellt. Ed gegenüber saß eine kurzfingrige Tippse, welche ihn mit hochgezogenen Augenbrauen und heruntergezogener Lesebrille empfing. Er war bemüht nicht durch den Plexiglastisch auf ihre gespreizten Schenkel zu starren, ihm war bereits vom morgigen Nahrungswürfel schlecht.

Bild

Das Bild stammt von Torley auf flickr und ist unter CC-BY-SA US 2.0 freigegeben.

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