Zitieren soll Geld kosten


Redaktionäre Berichterstattung bediente sich bisher dem Zitat mit Angabe und Link zur Quelle. Zumindest kenne ich das so von Blogs. Große Newsseiten stäuben sich zumeist Links zu setzen. Das hat unter anderem den Grund, dass Newsportale versuchen den Benutzer möglichst lange auf den eigenen Seiten zu halten. Zudem schmälert es den Pagerank, wenn zuviele Links im Artikel gesetzt sind. Das war bisher weitgehend das Vorgehen von im Internet etablierten Medien.

Nun gibt es da die Verlagsbranche, welche aufgrund der neuen Art textuelle Medien zu nutzen Absatzrückgänge verzeichnet. Diese sitzt auf einem ganzen Haufen von Verwertungsrechten für Werke von publizierenden Autoren: wissenschaftliche Artikel, Zeitungen, Magazine usw. Diese Inhalte finden auch als Zitate und Auszüge Eingang in das Web – nur eben nicht nur über die Verlage. Was läge da näher, als sich dafür vergüten zu lassen?

Man soll also für ein Zitat, welches man in ein veröffentlichtes Werk einbaut in Zukunft bezahlen. Das fängt dann wohl schon bei zwei mickrigen Sätzen an. Das wird nötig, weil so die Argumentition, sonst tiefgreifende Recherche seitens der Presse nicht mehr bezahlbar ist und man den Qualitätsjournalismus umbedingt bewahren müsse. Es ist sehr interessant wie konkret diese Forderungen im Raum stehen. Selbst Angela Merkel hat ohne Konkreten Entwurf oder stehendes Konzept bereits letztes Jahr der Presse ihre Unterstützung zugesagt. Nun meldet sich Leutheusser-Schnarrenberger zu Wort. Es ginge der Regierung um eine konsequente Ausweitung des Urheberrechts auf die Inhalte des Internets. Da muss man erstmal hinterfragen, warum es in der Offline-Welt nicht derartige Regelungen gibt und explizit ein Zitatrecht als Ausnahme zum Urheberrecht eingeräumt wird? Die Antwort ist: Damit soll u.a.  die Pressefreiheit gestärkt werden. Zudem sind Quellen wichtig, um Aussagen mit Fakten zu untermauern. Die Presse sehnt sich also nach einer Einschränkung ihrer Freiheit? Warum? Es geht wohl nur um Profit und Bildung von Wissensmonopolen. Wenn ich mit einer Politikerin ein Interview füre (wie mit Schnarrenberger geschehen), habe ich die Verwertungsrechte an diesem Interview. Jeder der Informationen daraus steuen und publik machen will, muss an mich Geld abtreten. Dies stärkt keine freie Presse oder Künstler und kleinere Urheber, sondern die großen Medienmogule. Für die Presse reicht das Urheberrecht in seiner aktuellen Form aus. Die Verwertungsagentur, die sich um die Verwaltung kümmern wird ein bürokratischer Aparat wie die GEMA. Die Alternative ist, man lässt die Presseagenturen (und nur um die geht es in diesen ersten Entwurf) selbst Ansprüche erheben und das Web eigenen Inhalten auf fremden Seiten durchsuchen. Was folgt ist dann eine Ausweitung des Abmahnwahnsinns. Die Atombombe auf die Blogosphäre. Interessant wird das, wenn es eben um Berichterstattung über die Medien geht, ähnlich Bildblog. Da zeigt sich dann wie perfide diese Regelung ist. Man muss Geld an die Medien abdrücken über die man kritisch berichtet. Zumindest wenn man die Fakten schwarz auf weiß zitieren will.

Was ist dann die Folge?

  1. Entweder man wandert aus (verlegt seine Inhalte möglichst anonym auf einen anderen Server).
  2. Verlinkt nur noch auf Seiten die Zitieren und Verlinken explizit erlauben.
  3. Zitiert und verlinkt gar nicht mehr.

Ich tendiere zu Zwei und Drei. Da wird dann ein Zitat einfach in eine pauschale Aussage umgewandelt. Otto Normalverbraucher hat dann nicht mehr in der FAZke gesagt: „Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei“. Sondern man schreibt: Otto Normalverbraucher behauptete, die Wurst hätte zwei Enden. Diese Lösung lässt natürlich die Lücke, dass Otto Normalverbraucher aufgrund des Vorwurfs er hätte diese Aussage getätigt verleumdet fühlt und den Blogger verklagt. Man kann dann schwieriger auf Quelle verweisen und einfacher nachweise, dass die Aussage nur aus dieser Quelle bezogen wurde. Zudem verliert man an Glaubwürdigkeit, da man keine Quellen nennen kann. Der Leser kann also nicht mehr überprüfen worauf sich der Author bezieht um seine eigene Meinung zu bilden. Das Leutheusser trotz Widerstand gegen die Vorratsdatenspeicherung derart ins Bürgerrechtsklo greift ist keine Spontanreaktion. Sie hatte bereits im Vorfeld Aussagen in diese Richtung getätigt, dass sie einer Ausweitung des Urheberrechts nicht im Weg stehen würde. Diese Begehrlichkeiten müssen im Kern unterbunden werden. Man muss kein Gehirnakrobat sein, um zu verstehen, dass die Rücknahme und Kommerzialisierung von Zitaten ein Dammbruch ist und weitere Initiativen nach sich zieht. Für uns und für kommende Generationen für die es wichtig ist ein einer vielfältigen Medienlandschaft als mündige, informierte Bürger zu leben.

Zum Schluss möchte ich noch auf einen sehr zum Denken anregenden Youtube-Kanal verweisen (leider lässt er kein Video einbetten zu). Und zwar den vom YoutiubKRITIKER. Er hat da nicht eins, sondern zwei ganz nette Videos zu Bertelsmann & Co – Die treibenden Kräfte hinter diesen Gesetzen.

Weitere lesenswerte Artikel zum Thema:

Leistungsschmutzrecht

Raffe und herrsche 2.0

Weiterführende Links:

http://leistungsschutzrecht.info

Offener Brief von Mario Sixtus an die Verlagsbranche

Bild:

„Word Processor“ von rahardy unter der CC-BY-SA 2.0 freigegeben.

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