Telekom: DSL jetzt nur noch gedrosselt

cc-by von http://www.flickr.com/photos/wyzik/

Die Telekom will Drosseln!!! Nein, nicht die Vögel, ihre DSL-Anschlüsse. Im Mobilfunk ist sowas ja leider breit etabliert, dass ab einem vertraglich vereinbarten Übertragungsvolumen nur noch ein Bruchteil der Bandbreite eine „Flatrate“ zur Verfügung steht.

Damit es auch die Komasäufer von der Jungen Union verstehen: Das ist wie wenn man auf einer Flatrateparty dreimal Sangria nachgeschänkt bekommt und danach gibt es nur noch verdünnten Wein.

So in etwa haben sich das die Telekomiker vorgestellt:

Ist die Volumengrenze erreicht, sehen die Leistungsbeschreibungen eine einheitliche Reduzierung der Internetbandbreite auf 384 Kbit/s vor.

[…]

Ab dem 2. Mai 2013 sind folgende Volumina in den Festnetztarifen integriert:
Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 16 Mbit/s: 75 GB
Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 50 Mbit/s: 200 GB
Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s: 300 GB
Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Mbit/s: 400 GB

Presseinformation Deutsche Telekom

75 Gibabyte wären unter Vollast bei einem 16-Mbit-Anschluss nach 13,5 Stunden verbraucht. Ab da würde die Datentransferrate von 15,625 Kbit/s auf klägliche 384 Kbit/s gedrosselt werden. Wer also gerne HD Fernsehen schaut, Youtube und sonstige Streamingseiten nutzt ist der Gearschte.

So schnell wäre dann der Seitenabruf der Telekomseite, sobald die Drossel greift:

Die Telekom begründet diesen Einschnitt mit folgenden Thesen:

Eine Erhöhung der Bandbreiten (z.B. VDSL) macht diesen Schritt notwendig.

  • Warum die Bandbreite erhöhen, wenn die Netze nicht dazu ausgelegt sind? Wenn die Bandbreite das Problem ist, dann wird auch eine Drosselung das Problem nicht verringern, da die Kunden ja zur gleichen Zeit (nämlich am Monatsanfang) volle Bandbreite zur Verfügung haben. Da müssten dann immer im ersten Tag des Monats alle Netze brachliegen. Das kann ich mir nicht vorstellen. Dafür gibt es schließlich Traffic Shaping. Heist, dass dann alle Anschlüsse maximal das bekommen, was verfügbar ist.
  • Dienste wie Entertain (von der Telekom) sind vom Volumenabzug ausgeschlossen. Da kann man also ziehen wieviel man will, wie lange man will, mit voller Bandbreite, weil dieser Interntdienst priorisiert wird. Das macht dann doch die Aussage, „man hätte nicht genug Bandbreite“ sehr wiedersprüchlich.

Kunden mit höheren Datenvolumen sollen auch mehr zahlen, das wäre nur fair.

  • Das übliche Argument, was ein Politiker bringen würde, wenn er das Sozialsystem abschaffen will: „Vielnutzer müssen mehr zahlen als Wenignutzer“. Das scheint ja auf den ersten Blick plausibel und fair. Was aber wenn man viele Monate ein Wenignutzer war und dann einen Monat ein hohes Datenaufkommen, dann wird man gedrosselt.
  • Vielnutzer haben z.B. gar nicht mehr die Möglichkeit mehr Volumen zuzuschalten, egal wie viel sie bereit wären dafür zu bezahlen. Genauso wie Wenignutzer. Man muss sich auf einen der vier Verträge festlegen und bekommt dann immer nur die Volumen in voller Bandbreite, auf die man sich festgelegt hat.
  • DSL-Verträge werden damit für den unbedarften Endverbrauchen weiter undurchsichtig.
  • Wenignutzer haben schon jetzt die Möglichkeit sich für günstige Volumentarife zu entscheiden. Es findet also vielmehr ein Eingriff in die Mischkalkulationsverträge statt, zu Lasten des Medians der Nutzer.
  • Zur Zeit der Einführung (2016) ist das angesetze Datenvolumen viel zu gering, da sich die Anforderungen an die Bandbreite erhöhen wird. Dies ist vor allem bei längerer Laufzeit des Vertrages ein Problem, da diese Grenze bestehen bleibt. Will man sein Volumen erhöhen oder auf die neue Bemessungsgrundlage aktueller Vertäge anheben, muss man einen neuen Vertrag mit der Telekom abschließen (mit entsprechender Mindestvertragslaufzeit).

Die Einführung einer Drossel führt unweigerlich zu einer faktischen Vorratsdatenspeicherung, weil das Speichern der Verbindungsdaten aus Abrechnungszwecken notwendig ist.

Mittlerweile gibt es eine Petiton auf change.org. Die Drosselkom hat außerdem einen Twitteraccount erstellt. Auch die Bundesregierung hat sich schon kritisch zur Drosselung ausgesprochen. Es gilt jetzt diesen Aufschrei durch gnadenlose Medialisierung zu begeleiten.

Ich werde das Thema weiter verfolgen.

Bild

Bild „Jetzt wird gedrosselt“ CC-BY-SA 3.0 Generic by me (redwolf). Das Bild basiert auf der Grundlage eines Bildes „A slow day at work“ von wyzik, welches unter der CC-BY 3.0 freigegeben ist.

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